Der Krankenhausaufenthalt

17.08.2010

Am 16.08.2010 erhielt ich die Diagnose NHL – Krebs. Leider konnte man mich nicht direkt an diesem Tag in der Klinik aufnehmen, da kein Bett für mich frei war, deswegen musste ich einen Tag später in die Klinik gehen – dies war der 17.08.2010.

Meine Nerven waren sehr überspannt und ich habe die Nacht zuvor kaum geschlafen. Habe sehr viel im Internet gesurft und geschaut, was ich nun für eine Krankheit und eine „Überlebenschance“ habe.

Ich habe viel zu viel gelesen, denn egal was ich gelesen habe, es hatte mich immer nervöser und unnruhiger gemacht.

Im KKH – Onkologie – GM angekommen, wurde mir mein Zimmer zugewiesen. Noch am gleichen Tage sollte ich eine Knochenmarkspunktion mit Herausnahme von Knochenflüssigkeit und Knochen erhalten.

Alleine der Gedanke an den Punktionen (hatte ja schon eine sehr unschöne Bekanntschaft mit einer Punktion gemacht) und den immer währenden Gedanken, daß ich an Krebs erkrankt bin, lies meine Psyche „durchdrehen“. Ich heulte wie ein Schlosshund und fragte mich immer wieder, warum ausgerechnet ich diese Krankheit erhalten habe, was hatte ich falsch gemacht?

Die Punktion wurde durchgeführt und es wurden noch ein paar weitere kleine Untersuchungen durchgeführt  und Fragen gestellt.

Ich befand mich zu diesem Zeitpunkt in einem sehr großem seelischen Tief. Dank meiner Frau, die mich bei jeder Gelegenheit aufmunterte, ließ ich meine Depression nicht raus. Doch mir war dauerhaft das Gefühl „heulen“ zu wollen…….

18.08.2010

Die Nacht war nicht gerade sehr angenehm, doch habe ich es zumindest geschafft ein wenig die Augen zu schließen.

Morgens wurde ich liebevoll von der Krankenschwester geweckt, die nach meinem Befinden fragte. Ihr war schon klar, das es mir nicht gerade gut ging, fand aber die richtigen tröstenden Worte.

Es wurden an diesem Tage weitere Tests bei mir durchgeführt. CT, Röntgen, Sonografie des Halses und Bauchraumes. Die Befunde erhielt ich allerdings ein paar Tage später.

Der Tag ging leider nicht rum….ewig machte ich mir Gedanken über dieses Problem.

Nachmittags erhielt ich Besuch vom psychoonkologischen Dienst. Die Psychologin sprach eine gute dreiviertelstunde mit mir und ich verspürte Erleichterung und kam ein wenig aus meinem seelischen Tief raus.

19.08.2010

Die Nacht war wieder nicht gut. Meine Gedanken drehten sich ständig um die Krankheit und was ich falsch gemacht haben könnte.

Wieder wurden ein paar Tests durchgeführt. Blutabnahmen und Sonografie des Herzens.

Mein seelisches Gleichgewicht existiert nicht mehr. Ich suche nach Antworten und kann sie nicht finden.

Meine Assistenzärztin teilte mir mit, daß am nächsten Tage eine Lumbalpunktion durchgeführt werden würde um festzustellen, ob die Krebszellen auch in der Hirnflüssigkeit und damit im Gehrin vorhanden sind.

Wieder ein sehr unruhige Nacht stand mir bevor.

Die Nachtschwester – ein sehr liebe Person – nimmt mir die Angst und ich kann ein wenig die Augen zu machen.

20.08.2010

Tag der Lumbalpunktion. Ich bin super nervös. Ich habe – seit der Lympfknotenpunktion – irrsinnig Angst vor diesen Punktionen.
Mir wurde mitgeteilt, das diese zwischen 14 und 16 Uhr statt finden wird.

Nach dem Mittagessen ging ich noch eine Zigarette rauchen und schlenderte mit dem Gedanken der Punktion um 14 Uhr zurück ins Zimmer.

Ich wunderte mich zwar, dass mir die Schwester bereits eine Beruhigungstablette gegeben hatte, doch konnte ich mir noch keinen Reim darauf machen.

Kurz nach 13 Uhr kam der Chefarzt in mein Zimmer und teilte mir mit, die Punktion nun durchzuführen.

Wieder spürte ich die Nervosität in mir aufkommen. Ich machte ein paar Atemübungen und war bereit für die Punktion.

Leider hat dies nicht so geklappt, wie es hätte klappen sollen. Der Chefarzt schaffte es leider nicht, in mein Rückmark einzudringen, da aufgrund der engen Beschaffenheit meiner Wirbelsäule ein Durchkommen so gut wie gar nicht möglich war. Nach vier Versuchen brach er ab und teilte mir mit, daß in Kürze der ansässige Neurologe sein „Glück“ versuchen würde.

Nach ein paar Minuten verließ der Chefarzt mein Zimmer und ein Neurologe versuchte sein Glück bei mir. Nach dem zweiten Anlauf schaffte er es und er war in meinem Rückmark. Sogleich wurde mir von der Assistenzärztin Flüssigkeit entnommen und die gleiche Menge von Flüssigkeit als erste kleine Chemotherapie eingefüllt.

21. – 22.08.2010

Wochenende. Es finden keine Test statt. Bisher habe ich keine Mitteilung, was meine bisherigen Ergebnisse sagen. Dies ist zumindest ein gutes Zeichen.

Ich fühle mich etwas besser seelisch, nachdem ich nochmals meine Frust rausgeheult habe.

Es ist Nachmittag – Samstag – und mein Leben kommt zurück in Form einer anderen Assistenzärztin, die mich, nachdem ich die Zustimmung zu einer klinischen Studie gegeben habe, nun mitbetreut.

Sie setzt sich an mein Bett und erzählt mir, wie es um mich steht.

Für mich geht die Sonne wieder auf. Sie teilt mir mit, daß ich mich in der ersten Stufe des Krebs befindet, und dieser komplett geheilt werden kann.

Sogleich fasse ich innerlich den Enschluss, alles dafür zu tun, was ich machen kann, damit ich wieder gesund werde. Ich entschließe mich, das Rauchen aufzugeben.

Ein wahnsinnig schwerer Schritt, doch dieser Entschluss wird mir helfen besser mit den Chemos klar zu kommen und auch wieder gesund zu werden.

23.08.2010

Es ist Montag der 23.08.2010. Tag 7 nach der Diagnose Krebs. Aufgrund meiner freiwilligen Teilnahme an einer Studie, wird bei mir eine Magenspiegelung durchgeführt.

Da ich kein sehr großer Freund von „Maul frisst Schlauch“ bin, bat ich, dass man mich auf jeden Fall „abschießen“ solle.

Nun rauche ich bereits den ersten halben Tag nicht mehr. Ich bin wegen der Gastroskopie und des Nichtrauchens nervös.

Um 11 Uhr wird mein Bett mit mir in die Endoskopie geschoben. Ich liege vor dem Behandlungsraum und höre die unterschiedlichsten Geräusche, die nicht gerade aufmunternd sind…..

Die Tür geht auf und mein Bett wird in den Gastoraum geschoben. Ich erhalte einen Zugang (Nadel in Arm) und mir wird das Prozedere erklärt – will ich eigentlich gar nicht wissen.

Um kurz vor halb zwölf gehen bei mir die Lichter aus und ich schlafe.

Ich habe nichts von der Untersuchung mitbekommen und bin darüber über glücklich.
24.08.2010

Heute ist Dienstag. Nichts Neues.

Ich habe mittlerweile einen Zimmergenossen erhalten. Er leidet an Leukämie. Wird aber mittels Tabletten behandelt.

Ein Lungenfunktionstest wurde noch durchgeführt und dann habe ich quasi „frei“.

Die quälende Langeweile und die Sucht nerven mich.

Die Nacht war nicht gut. Bin fast stündlich wach geworden.