Die ABH – Teil 1

Eine ABH (Anschlussheilbehandlung) ist schon was Feines, da lernt man neue Leute kennen, die die gleichen Krebswehwechen haben oder hatte wie man selber.

Ich bin um die Mittagszeit in der Eckenhagener Rehaklinik angekommen. Zuerst wurde ich von der Schwester in Empfang genommen und es gab ein Aufnahmegespräch mit der Assistenzärztin. Hier wurde ich nochmals eingehend darüber aufgeklärt, wie wichtig es ist die ärztlichen Anordnungen abzuarbeiten und die ATS (Antitrombosestrumpfhose / Kompressionsstrumpfhose) täglich zu tragen.

Es wurden nochmals alle Krankheiten aufgezählt, die ich genannt habe und auch noch mein Eigen nennen kann und schon war auch die Ärztin wieder verschwunden.

Sogleich konnte ich zum Speisesaal gehen und ein „gepflegtes“ Mahl zu mir nehmen. Da wir uns nicht einfach hinsetzen konnten, wo wir wollten, wurde uns ein Tisch für den Abend – der dann eigentlich auch unser „fürimmer“ Tisch sein sollte – zugewiesen. Vorerst saß ich mit fünf anderen komischen Vögel (hier absolut lieb gemeint) an einem Neuzugängertisch.

Ich weiss schon gar nicht mehr, was ich zu Essen bekommen habe, scheint aber nichts Unmögliches oder Sternemäßiges gewesen zu sein, da ich keine Erinnerung mehr daran habe.  Aber ich muss grundsätzlich sagen, daß das Essen wirklich überwiegend sehr sehr lecker war.

Nach dem Mittagessen habe ich frei gehabt und musste erst wieder los zum Abendessen.

Das Abendessen war auch in Ordnung, lediglich der mir zuwiesene Tisch war so vor Langweile geprägt, dass ich an Selbstmord dachte.  Neben mir rechts saß eine Frau mittleren Alters, die permanent am Essen und den Behandlungen meckerte. Mir gegenüber saß eine Frau – ebenfalls im mittleren Alter – die so was von depressiv auf mich wirkte – übrigens den Ärzten auch -, dass sie von den Behandlern gefragt wurde, ob sie Antidepressiva nimmt.

An diesem Tisch hab ich ganze zwei Tage ausgehalten….insbesondere weil die irgendwie mit meinem Humor nicht klar kamen.

Ein „Kollege“, mit dem ich gemeinsam die Reha begonnen habe, teilte mir mit, daß ein einem bestimmten Tisch noch zwei Plätze frei wären….sogleich gingen wir (ein anderer Kollegaaa hat sich uns angeschlossen) zum „Kantinenleiter“ und ließen uns versetzten. Nun konnte die Reha beginnen….und auch der Spaß am Tisch. Sagen wir es mal so: Wir waren schon geneigt T-Shirts und Aufkleber mit der Aufschrift „Tisch 12“ zu drucken, da bei jedem Essen so herzhaft gelacht wurde,. daß der gesamte Saal sich umgedreht hat.

Ein anderer Kollege, ich habe ihn Dortmund getauft, ist auch so ein herrlich bekloppter Kerl, daß ich bei vielen Anwendungen einen Lachanfall bekommen habe. Auch ich habe von Ihm einen Spitznamen bekommen…..: 1300

Sicher fragt sich jetzt der aufmerksame Leser, warum ich den Spitznamen 1300 bekommen habe. Nun, daß ist ganz einfach. Ich sollte auf Anraten meines Oberarztes Reduktionskost zu mir nehmen. Demnach sollte ich – in Eigenregie – jeden Tag nur 1300 Kcal. zu mir nehmen.

Das ist immer ein Bild für die Götter, wenn wir uns auf den Fluren begegnen und begrüßen:

„Moin Dortmund“, „Moin 1300″……